Laubrascheln im Urwald – Hafenlohrtal | Spessart

Laubrascheln im Urwald – Hafenlohrtal | Spessart

Jahrhundertalte Laubwälder und urige Gasthäuser – bei unserem heutigen Ausflug erwartet uns echte Spessartromantik. Es geht in das Hafenlohrtal, über das Tucholsky schon 1927 schrieb: „Dies ist eine alte Landschaft. Die gibt es gar nicht mehr; hier ist die Zeit stehengeblieben.“ Stimmt auch 90 Jahre später noch.

Sind wir bald da?

Mit dem Auto eine knappe Stunde über die A3 bis zur Ausfahrt Weibersbrunn, dann Richtung Lichtenau bis zum Wanderparkplatz Steintor. ÖPNV geht auch: RE bis Aschaffenburg, dort mit dem Bus ins Hafenlohrtal (dauert ca.  2 Stunden).

Was machen wir hier?

Hier wartet ein 1A-Herbstwaldabenteuer, denn der Naturpark Spessart  ist einer der wenigen europäischen Urwälder. Ein Ausflug zu Affen und Tigern? Die Mädchen sind spontan begeistert, die Ernüchterung folgt aber in Form einer ersten Heimatkunde-Lektion: 1927 wurden die ersten Wälder unter Naturschutz gestellt, davor waren sie „fürstliche Jagdgründe“, in denen auch kein Baum gefällt wurde. Und weil sich der Wald seit vielen Hundert Jahren selbst überlassen blieb, konnte sich eine einzigartige Flora & Fauna entwickeln, einzelne bis zu 400 Jahre alte Eichen inklusive, viele Insekten und…. Pilzen!

Unser Ausgangspunkt ist der Parkplatz „Steintor“, hier starten drei  Rundwege. Die Kinder dürfen entscheiden und nehmen „Wildsau“, der mit knapp vier kinderfreundlichen Kilometern durch das „Naturschutzgebiet Metzgergraben & Krone“ führt (allerdings nicht kinderwagengeeignet, das wäre der andere Rundweg „Eichenblatt“ mit knapp 5km).  Zur Freude aller geht es schnell einen kleinen Pfad bergauf, der direkt in den Urwald führt. Die Mädchen schalten sich sofort in den Feen-Elfen-Zauberer-Modus und klettern auf alten Bäumen mit „grünem Polster“, sind fasziniert von echten Fliegenpilzen, finden Zwergenhöhlen und lauschen fremdartigen Vogelstimmen (oder sollten es doch Affen gewesen sein?). Sehr waldig.

Darüber hinaus gibt es hier  aber noch viele andere Wanderwege. So schließt sich an den Parkplatz das Hafenlohrtal an, ebenfalls ein recht einzigartiges Naturschutzgebiet mit einem sehr hübsch mäandernden Bächlein. Biber und Ringelnattern sind hier zuhause und im Sommer weiden sogar Wasserbüffel. Ein 30km langer „Kulturweg“ wurde angelegt, der die Geschichte des Tales erläutert (Tucholsky schrieb hier das Wirtshaus im Spessart, später waren einmal Autobahntrasse und Stausee in Planung).

Kombinieren lässt sich dieser Ausflug übrigens mit einem Besuch des Schloss Mespelbrunn oder natürlich auch Aschaffenburg mit seiner schönen Altstadt, dem Schloss Johannisburg oder der Stiftsbasilika.

Ich habe Hunger!

Gar nicht weit befinden sich zwei Ausflugsklassiker aus meiner Kinderzeit. Ich war immer begeistert, wenn es ins Hafenlohrtal ging, denn der kleine, flache Bach schlängelt sich unter Bäumen entlang und man kann damals wie heute herrlich im flachen Wasser spielen.

Der erste Gasthof ist das „Gasthaus im Hochspessart“, eine sehr alte (anno 1476) Gutsanlage. Viel hat sich dort seit den späten 70ern nicht verändert, schon gar nicht die Speisekarte – fernab jeglicher gastronomischer Moden gibt es hier entweder Forelle mit Kartoffeln oder Braten mit Klößen, jeweils mit Salatbeilage. Punkt. Dafür aber in hervorragender Qualität. Eine Kinderkarte ohne ähnlich neumodische Dinge gibt’s natürlich nicht, aber man kann halbe Portionen bestellen oder „Kloß mit Soß“.

Die Gaststube ist urig, und auch auf den Terassen sitzt es sich schön. Erfreuliche Neuerung ist ein Spielplatz (sogar mit Trampolin – Töchter sind begeistert!), im Hof gackern die Hühner, und Pferde stehen auf der Koppel. Auch von hier aus kann man losspazieren, insofern ebenfalls ein guter Ausgangspunkt für Spessartwanderungen. Am Wochenende unbedingt reservieren, wir sind nicht die einzigen, die den Laden kennen – etliche Literaten waren hier und sorgten für Verbreitung.

Gegenüber liegt der „Hohe Knuck“,  sogar noch malerischer. Im Sommer (Bild ist von unserem letzten Besuch 2013) sitzt man dort unter einer wunderbar blätterüberdachten Terasse. Die Küche ist allerdings weniger ausgereift als im anderen Gasthaus (und man sollte nicht zu hungrig sein, denn der Service ist zumindest am Wochenende  deutlich überlastet). Es starten  zahlreiche Wanderwege, auch in alte Naturschutzgebiete.

Beide Gasthöfe haben preisgünstige Zimmer im Angebot, sodass man einen naturnahen Minibreak ins Auge fassen kann.

Auf einen Blick – Der Ausflug ins Hafenlohrtal

Adresse

Das Hafenlohrtal in Googlemaps anschauen

Anfahrt & ÖPNV

A 3 Abfahrt Weibersbrunn, dort Richtung Rothenbuch/Lichtenau durch Weibersbrunn durch- der Wanderparkplatz kommt auf der rechten Seite (Bushaltestelle). Ab Aschaffenburg geht auch ein Bus dorthin (ca. 1 Stunde ab Aschaffenburg, am Sonntag im Zweistundentakt)

Gastronomie
  • Gasthaus im Hochspessart, 97840 Lichtenau, Telefon: 09352/1228, geöffnet 11-23 Uhr, Donnerstag Ruhetag – ausgenommen Feiertage, Warme Küche 12-14 Uhr und 18-20 Uhr, am Nachmittag Kaffee, Kuchen und deftige Vesper.
  • Gasthaus Hoher Knuck, 97840 Lichtenau, Telefon: 09352/1320, geöffnet 11-20 Uhr

Alle Angaben ohne Gewähr, bitte informiert Euch nochmal auf den genannten Internetseiten!

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